„DAS WAR KEINE REVOLTE“ - Vorstandsmitglied der Osnabrücker Tafel äußert sich zur Abwahl

Osnabrück. Der Vorstand der Osnabrücker Tafel widerspricht der Darstellung, ihre Mitarbeiter hätten sich „körbeweise“ selbst mit Nahrungsmitteln versorgen dürfen. In einer Stellungnahme zu unserem Bericht aus der vergangenen Woche wendet sich der noch amtierende Kassenwart Thomas Deppen außerdem gegen den Eindruck, dass es in der jüngsten Mitgliederversammlung zu einer „Revolte“ gekommen sei.

Gegenstand unserer Berichterstattung war, dass der Vorstand der Tafel völlig überraschend abgewählt wurde. Das sei eine interne satzungsgemäße Angelegenheit in einem eigenständigen Verein, schreibt Deppen. Die Abwahl eines Vorstands gehe zunächst nur die Mitglieder etwas an. Deshalb sei es nicht im Interesse der Öffentlichkeit, Einzelergebnisse zu nennen, wie es in unserem Bericht geschehen sei, denn von Verfehlungen des Vorstands könne keine Rede sein.

Bis zur Neuwahl muss der alte Vorstand weiter arbeiten

Satzungsgemäß sei der abgewählte Vorstand verpflichtet, die Geschäfte bis zur Wahl eines neuen weiterzuführen. Das sei auch bei der Tafel „selbstverständlich der Fall“, vermerkt der Kassenwart. Deppen bezeichnet es zudem als fragwürdig, dass Äußerungen von namentlich nicht genannten Mitarbeitern über schlechte Kommunikation und mangelnde Wertschätzung über unseren Bericht in die Öffentlichkeit getragen wurden.

Bringedienste für behinderte oder gebrechliche Kunden

Wenn tatsächlich Lebensmittel von Ehrenamtlichen körbeweise in Privatwagen geladen würden, dann könne es sich nur um Bringedienste für behinderte oder gebrechliche Kunden handeln. „Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Schlachthofstraße waren es wohl nicht, denn die wüssten, dass noch im Juli des letzten Jahres die Frage der Mitnahme von Lebensmitteln durch einen Aushang klar geregelt wurde“, schreibt Deppen weiter. Kein Lebensmittel werde ohne eine Spende zugunsten der Tafel herausgegeben.

Über 300 EhrenamtlicheFür die Wertschätzung der Ehrenamtlichen durch den bisherigen Vorstand spreche, dass sie ihr Engagement unvermindert fortsetzten. Zu ihrer Motivation bekämen sie an runden Geburtstagen ein kleines Geschenk, Kranke würden besucht, und bei vielen Gelegenheiten werde in der Öffentlichkeit die Arbeit der Ehrenamtlichen gewürdigt. Die jährliche Weihnachtsfeier gebe dem Vorstand Gelegenheit, das Engagement der über 300 Ehrenamtlichen zu würdigen und Jubilare zu ehren. (Weiterlesen: Hundefutter für Kunden der Osnabrücker Tafel) – „Das war keine Revolte“: Vorstandsmitglied der Osnabrücker Tafel äußert sich zur Abwahl | noz.de - Lesen Sie mehr...

Kritik an Gaben für Mitarbeiter - Vorstand der Osnabrücker Tafel abgewählt

Osnabrück. In der Osnabrücker Tafel macht sich Unruhe breit. Eine Mitgliederversammlung hat überraschend den Vorstand abgewählt. Die Ehrenamtlichen der Außenstellen monieren, dass Mitarbeiter in der Zentrale Lebensmittel für sich abzweigen dürften. Am Donnerstag sollte ein neuer Vorstand gewählt werden. Aber wegen der Witterungsverhältnisse wurde der Termin auf den 3. Februar verschoben.

Dieter Möllmann und Marianne Friederich erwischte es kalt. In der Mitgliederversammlung am 2. November stand der Vorstand zur Wiederwahl. Aber der Vorsitzende und seine Stellvertreterin bekamen jeweils 33 Nein-Stimmen von 49 wahlberechtigten Mitgliedern. Kaum besser war das Ergebnis von Kassenwart Thomas Deppen. Nur bei Schriftführerin Iris Schindler stimmte eine Mehrheit von 31 Mitgliedern für den Verbleib im Vorstand.

Geheime Wahl

Wie es zu der Revolte kam? „Das fragen wir uns auch“, sagt Dieter Möllmann und blickt mit großen Augen über den Resopaltisch im Geschäftszimmer an der Schlachthofstraße. Als Vorsitzender bekleidet der frühere Wohlfahrtsmanager ein Ehrenamt, das sich nicht darauf beschränkt, bei Fototerminen in die Kamera zu lächeln. Im Büro der Osnabrücker Tafel gibt es jeden Tag eine Menge zu regeln, damit die Lebensmittel zu den Bedürftigen kommen.Möllmann geht offen mit der Niederlage um und lässt keine Frage unbeantwortet. Seine Gegner hätten sich nicht zu erkennen gegeben, sagt er, weder in der Mitgliederversammlung, noch davor oder danach. Es war eine geheime Wahl, es gab keine Gegenkandidaten und keiner der Unzufriedenen ergriff das Wort. „Wenn einer etwas kritisch zu sagen hat, bin ich einer, der sich das anhört“, erklärt der abgewählte Vorsitzende mit bitterem Unterton. Und kündigt an, dass er im Amt bleibe, bis ein Nachfolger gewählt sei. So schreibe es die Satzung vor.

Interne Kritik

Inzwischen hat sich eine oppositionelle Gruppe formiert, die bei der Wahl am 3. Februar ihre Kandidaten ins Rennen schicken will. Kritik am alten Vorstand wird allerdings nur hinter vorgehaltener Hand geübt. In der Sache ziehe man am selben Strang, beteuern die Widersacher, aber die Kommunikation sei völlig unzureichend, und es fehle an Wertschätzung für die Arbeit der Ehrenamtlichen. Besonderes Unbehagen gilt offenbar der Praxis, dass die Helfer in der Zentrale an der Schlachthofstraße selber einen Leinenbeutel voller Lebensmittel mit nach Hause nehmen dürfen. Oft bleibe es nicht bei einem Beutel, berichten die internen Kritiker. Das sei für die Außenwirkung der Osnabrücker Tafel fatal. Aus diesem Grund hätten sechs der sieben Außenstellen zwischen Bramsche und Dissen die Eigenversorgung von Mitarbeitern zum Tabu erklärt.

Mitbringsel für die Helfer

Dass es Gaben für die Ehrenamtlichen in Osnabrück gibt, begründet die noch amtierende zweite Vorsitzende Marianne Friederich mit einer besonderen Tradition. In der Anfangszeit der Tafel hätten die Helfer Parkgebühren zahlen müssen. Um sie zu entlasten, sei ihnen zugestanden worden, einen Beutel mit Lebensmitteln für sich selbst abzufüllen. Und dabei sei es bis heute geblieben. Allerdings nur, „so lange wir genug Lebensmittel haben“, betont Dieter Möllmann. Wenn sich die Außenstellen nicht an dieser Praxis beteiligten, sei das deren Angelegenheit. 

Niedersächsische Verdienstmedaille - Osnabrücker Tafel-Vorsitzende ausgezeichnet

Freut sich über die Anerkennung ihres ehrenamtlichen Engagements: Marianne Friederich nahm Medaille und Urkunde aus den Händen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert entgegen. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Seit fast zwei Jahrzehnten engagiert sich Marianne Friederich für die Osnabrücker Tafel. Für ihre ehrenamtliche Arbeit erhielt die stellvertretende Vorsitzende am Montag die Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten, die vom niedersächsischen Ministerpräsidenten verliehen wird. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert die Auszeichnung und würdigte den ehrenamtlichen Einsatz Friederichs.

Das große Geschenk, dass sie den Menschen mache, sei die Zeit, die sie für Hilfsbedürftige einsetze, sagte Griesert. So helfe Friederich fast täglich mehrere Stunden bei Verwaltungsarbeiten, nehme zahlreiche repräsentative Aufgaben für den Verein wahr und werbe beharrlich neue ehrenamtliche Mitarbeiter. „Ihnen scheint kaum jemand widerstehen zu können. Es ist auch Ihnen zu verdanken, dass heute etwa 300 ehrenamtliche Helfer die Arbeit der Osnabrücker Tafel unterstützen“, lobte der Oberbürgermeister.

Friederich ist seit Februar 1997 Mitglied der Tafel. Sie sei damals auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit im sozialen Bereich gewesen, erzählte die 68-Jährige. Da sie gerne Menschen helfe und die Tafel ehrenamtliche Mitarbeiter brauchte, habe sie sich dort engagiert. Zunächst bei der Lebensmittelverteilung, später dann auch als Schriftführerin und Erste Vorsitzende im Vorstand. Die Anfänge der Osnabrücker Tafel seien sehr bescheiden gewesen, erinnerte sich Friederich. Man habe nur einen Raum zur Verfügung gehabt und die Mitarbeiterinnen hätten die Lebensmittel noch mit dem eigenen Auto abgeholt. Von Jahr zu Jahr sei dann die Zahl der Bedürftigen gewachsen, berichtete die stellvertretende Vorsitzende. Die Osnabrücker Tafel sei damals die 35. in Deutschland gewesen. Heute gebe es im Bundesgebiet über 900, was eigentlich eine traurige Tatsache sei.

Dem stimmte auch der Osnabrücker Oberbürgermeister während seiner Rede zu. „Dass wir in einem der reichsten Länder der Welt überhaupt Tafeln brauchen, um ärmere Menschen zu versorgen, sollte uns beschämen“, sagte Griesert. Gegenwärtig versorge die Osnabrücker Einrichtung mit ihren Außenstellen wöchentlich rund 3500 Menschen mit Lebensmitteln und 300 Kinder mit einem gesunden Schulbrot. Außerdem würden Kinderhorte und Jugendzentren mit Nahrungsmitteln beliefert. Griesert dankte Friederich dafür, dass sie ihre Wärme und Hilfe genau den Menschen zukommen lasse, die sie bräuchten.

Auch der Tafel-Vorsitzende Dieter Möllmann bedankte sich bei seiner Kollegin für ihren ausdauernden ehrenamtlichen Einsatz. „Auf deine Mitarbeit können wir nicht verzichten“, betonte Möllmann. Friederich nahm die Medaille, Glückwünsche und Geschenke gerührt entgegen. Die Auszeichnung sei eine große Ehre für sie, sagte die Tafel-Mitarbeiterin. 

Besuch bei der Tafel

Auf Einladung der Tafel besuchte der Oberbürgermeister Wolfgang Griesert am 21.03.2014 die Zentrale in der Schlachthofstraße. Dabei sprach er auch mit einigen Ehrenamtlichen über deren Engagement für die Tafel. Der Oberbürgermeister war bei seinem Besuch von der Arbeit der Tafel sehr beeindruckt.